Ella Simon

 

Recherche

Die Recherchearbeit nimmt bei der Erstellung eines Romans einen großen und wichtigen Part ein. Mir persönlich ist es wichtig, die Gegebenheiten authentisch und möglichst fehlerfrei darzustellen, damit sich die Leser in dem Roman richtig verlieren und darauf vertrauen können, dass ich bei der Darstellung mein bestmögliches gegeben habe.

In "Ein Gefühl wie warmer Sommerregen" waren besonders drei Bereiche sehr wichtig: Der veterinärmedizinische, die Seefahrt, insbesondere die Royal National Lifeboat Institut, und der Schauplatz an sich, in diesem Fall Pembrokeshire in Wales.

Veterinärmedizin:

Ich habe das große Glück, zwei hervorragende Tierärztinnen zu kennen, die mich auch bei meiner ersten Recherchereise nach Wales begleitet haben: Meine Stiefschwester Klaudia, die auf Pferde und Kleintiere spezialisiert ist, und meine Freundin Lydia, die sich bei Pferden ebenfalls super auskennt, deren Spezialbereich aber die Wiederkäuer sind. Auch in der Pflanzenwelt ist sie bewandert wie niemand sonst, den ich kenne.
Dutzende Fragen mussten die beiden aushalten und sie verloren nie die Geduld, wenn sie mir medizinische Prozeduren bis ins kleinste Details erklärten. Dabei lernte ich nicht nur, dass Schafe pinkeln, wenn man ihnen die Nase zuhält, es kamen auch immer wieder lustige Dialoge zustande.

Seefahrt:

Mit einem zufällig auf Youtube angeklickten Video eines Einsatzes der RNLI in Tenby begann alles. Ich sah, wie diese Menschen einen von den Klippen abgestürzten Hund retteten und musste mehr wissen. Besonders hilfreich waren mir hier die zahlreichen Videos der Royal National Lifeboat Institution, da sie viele ihrer Einsätze auf Kamera festhalten. Ich las mich durch unzählige Einsatzberichte, sah mir Dokumentationen an, las mich in den allgemeinen Bereich der Seefahrt ein und besuchte die Station in Tenby in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Besonders hilfreich war mir hier der Mechaniker der Station Mr Stephen Lowe. Er beantwortete mir Fragen per E-Mail und führte mich an einem wunderbaren Vormittag auch durch die Stationen - sogar aufs Allwetter-Lifeboot, die Haydn Miller. Zuerst ging es zur ILB-Station am Hafen, wo das aufblasbare Küstenrettungsboot untergebracht war und dann hoch zum Burghügel zur großen ALB Station, hinter die Absperrungen und in jeden Raum. Ich sah, wo die Crew sich umzieht, warf einen Blick in die Werkstatt - wo in diesem Moment nur eine kaputte Uhr repariert wurde ;-) - und inspizierte das Boot von der fliegenden Brücke bis zum Maschinenraum. Sogar auf dem Sitz des Bootsführers durfte ich Platznehmen, um mir alle Funktionen des Computers genau erklären zu lassen und eine hypothetische Suche zu starten.

Schauplatz

Man kann sich Bilder ansehen, man kann sich durch Karten wühlen und Reiseberichte lesen, aber nichts ist mit einem tatsächlichen Besuch an den Romanschauplätzen vergleichbar. Zweimal reiste ich nach Wales, sprach mit den Menschen dort, suchte mir den Ort, an dem meine fiktive Pferdefarm liegen könnte und inspizierte auch genau die Küstenlinie, um Alis' besondere Klippen zu finden. Bei meinem ersten Besuch begleiteten mich Klaudia und Lydia und es war toll, über den Strand von Freshwater West zu spazieren und über den Roman zu sprechen, über die Charaktere, ihre Vergangenheit und ihre Probleme. Wir fuhren die engen Landstraßen entlang und ich sah Alis vor mir, wie sie sich in die Büsche übergibt.

Beim zweiten Mal begleiteten mich mein Mann und meine Kinder und mir fiel auf, dass Kinder eine Recherchereise noch einmal sehr viel intensiver gestalten. Ihnen fallen Dinge auf, die man selbst nicht beachtet hätte, sie brechen das Eis zu den Einheimischen und bald ist man mittendrin in diesem fremden Land, das einem schon wie die Heimat vorkommt. Nur den Küstenpfad würde ich nie wieder mit den Kindern entlangspazieren und ich verstehe nun, wieso ich so viele Menschen in Wales gesehen habe, die ihre Kinder an der Leine haben. Mein Mann lachte mich schon aus, da ich immer nur voller Panik: "Halt sie ja fest!" rief, bereits vor mir sehend, wie sie mit nur einem falschen Schritt die Klippe hinunterstürzen. Doch es ging alles gut, wir genossen die Aussicht und ich fand Alis' Absprungfelsen. Mein Herzschlag beruhigte sich ob der Höhe allmählich, auch wenn mir jetzt noch übel wird, wenn ich nur das Videomaterial davon ansehe.